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Samstag, 1. Oktober 2011

Befürchtung.

Das Leben ist eine Baustelle


Es gibt einen Haken an der Geschichte: sein Blick ist offensichtlich offensiv und gar richtiggehend angriffslustig. Er schaut mir beim Vorübergehen ständig direkt in die Augen. Außerdem läuft er den ganzen Abend an meiner Stubentüre vorbei, den Gang entlang, auf und ab. Mir ist dieser Kerl suspekt. Der pflegt sich nicht mal.
Er könnte einer sein wie Marcel. Mit seiner hageren Gestalt hatte ich schnell meine Vorurteile beisammen. Auch redet er manchmal nur das Nötigste, manchmal wiederum gar nichts. Als erste Ansichten aufkamen und er sein Interesse an meiner Person bekundete, fragte er mir Löcher in den Bauch. Ich bedeute ihm klar und deutlich, das wäre hier nicht erwünscht und er solle die Fragerei lassen. Seitdem kuckt er mich schräg von der Seite an als hätte ich ihm Rauschgift angeboten.
Er ist aber einen Kopf größer als ich. -

Mittwoch, 28. September 2011

Nachbetrachtung



Aus der heutigen Sicht der Dinge, wie sie lagen, wie sie nun liegen, sich erschließen, und mir darlegen, machte der Niederschrieb der Gedanken damals einen Sinn. Wie hoch erfreut war ich nun gewesen, als ich wieder gelesen habe, was ich geschrieben hatte. Ja, die Mühe war es wert.

Und dennoch kommen die Worte nicht leicht vom Mund zu Papier. Mühsam ist der Weg des dichtenden Menschen. Oh, wann wirst du erkannt als jemand, der was beizutragen hat, Schreiberling? Machst du dir auch aufrichtig und angestrengt Gedanken, zu dem, was du mitteilst? Schreibst du nicht eher „wie dir der Schnabel gewachsen“ ist? Wer will’s wissen? Und aber bei alldem negativen Ausdruck, den du so meisterhaft beherrscht, es ist nicht alles so schlecht, wie du es beschreibst. Auf des Herren Erde ist die Technik so weit fortgeschritten, dass es kein Unterschied macht, sitzt deine Freundin ein Haus weiter, oder auf der anderen Seite des Globus. Dank Telekommunikation und Internet, könnt ihr euch sprechen, und auf dem Computerbildschirm auch sehen.

Werden mir die Stunden lang, und das kommt wahrlich selten vor, forderte ich mich meistens nicht genügend. Mies gelaunt und antriebsarm quälen mich sämtliche Umgebungsgeräusche. Schon das leise Surren eines Computerkühlers bringt mich an den Rand der Verzweiflung. Unsinnige Handlungen später finde ich mich in der Ausgangssituation wieder: auf dem Bett, schwer atmend und erschöpft. Wären mir nicht die Lichtblicke des Lesens und Schreibens, könnte ich es schon lange nicht mehr aushalten.

Und doch, wo Schatten ist, wird auch Licht sein, irgendwo, verborgen, und vom schwarzen Dunkel bedeckt liegt sie, tief, dunkel, versteckt, - meine Schokoladenseite. Ach wäre es doch die bessere Hälfte, überwiegte nur der gute Anteil in und an mir. Könnte nur ich dort stehen, im Rampenlicht, entscheiden wie es mir gefällt, abgestimmt zum Verkünden der kommenden Pflicht. Zugelassen wird nichts, was nicht schon benannt und diskutiert war, bis an den Rand des Zerfaserns zerredet, ohne auch nur eine Millisekunde an Vorsprung zu ergattern. Weshalb dann überhaupt den ganzen Aufwand treiben? Die Kür? Dass ich nicht lache. Ureigenes Interesse, so die Vorgabe, ereignet sich, dargelegt an der Sache. Und, wären es nicht Sie, der da den Kasper macht, so sprängen sogleich hunderte andere hervor, im ureigenen Interesse die Sache einfach ebenso zu bemessen.

Wehten doch gar Stürme übers Land, nähmen den Griechen die Schulden weg, und den Euro, den Euro würde ich gleich hinter her werfen. Bei genauer Prüfung nach dem Satz, ergab sich folgende Sachlage. Der harte Sparkurs, die steigende Besteuerung, die sind kein Honigschlecken. Mit rigider Politik kann der misslichen Lage in jenem Randbezirk europäischen Wirtschaftens, Griechenland, abmildernd entgegen gewirkt werden. Mir aber unmissverständlich bewusst, ist die Entschlossenheit der griechischen Verantwortlichen, die missliche Lage abzumildern, gar, in ein paar Jahren, den ganzen Schlamassel abgearbeitet zu haben und wieder zu prosperieren.

Aber, geht’s mich was an? Was sollte ich denn noch beitragen können, wenn die Kartoffeln aus der Glut sind, und nur hinterher kundtun können, genauso hätte ich das auch gemacht. Wäre dir denn wohler zu wissen, dass das Unternehmen „Spannt den Rettungsschirm“ nur nach hinten losgehen kann wie jener Revolver der beim Russisch Roulette auf allen Trommellöchern Patronen enthält? Kannst du mir versprechen, die angekündigten 400 Milliarden und etwas Euro treffen das Ziel der Absicht? Mit viel gutem Willen kann ich glauben, das hat schon seine Richtigkeit. Leider trifft es immer die Falschen.

Werden nun die Wetten wieder anders lanciert, gewinnen wieder die Banken. In dieser Krise malten sich die Schreckgespenster schneller an den Horizont der Öffentlichkeit als die Arbeit der Aufrichtigen sie entzaubern konnten. Leider, und ich werde nicht müde, es zu wiederholen, lebensmüde erscheinen mir die Finanzmärkte noch nicht gewesen zu sein. Das bedeutete mir, ich ließe diese zappeln, bis zappzarapp, der letzte müde Euro abgeschöpft gewesen wäre. Und dann doch: die Notenpresse, viel billiges Geld, die ganze Litanei, und am Ende hätte jeder einzelne Bundesbürger mehr Schulden, als er in seinem ganzen Leben an Euros verdienen könnte.

Donnerstag, 25. August 2011

Was da noch zu sagen war


Ja, was ist denn angesagt, was steht mir bevor? Was bringt die Zukunft mir? Bange machen gilt nicht. Ging ich doch meinen Weg bis hierher. Belastet durch die Umstellung der Medikamente, träume ich in meiner Seifenblase: nur unwirklich dringen Impulse von außen an mich heran. Es schlägt elf. Ich bin nervös. Meine Augen sind gerötet und fühlen sich trocken an. Ich sollte einen Kassensturz machen, um zu sehen, wie viel Geld ich noch zur Verfügung habe.

Und nun, was kann ich berichten? Wie es mir geht etwa? Oder anderes? Ich bin gedankenleer.

Die Umstellung auf liniertes Schreibpapier erfordert von mir eine Anpassungsleistung Mir fällt es nicht leicht, etwas zu schreiben, denn der Kopf gehorcht dem Mund: sprechen läuft im Vordergrund, für das Denken scheint kein Raum zu bleiben. Die Lektüre über Kant gestaltet sich schwierig: viele neue Begriffe werden eingeführt und auf diese aufbauend dann weiter ausgeführt.

Mehr schlecht als recht führe ich meine intellektuellen Bemühungen. Die Lektüre über Kant habe ich unterbrochen, ebenso liegt Samuel Becketts „Warten auf Godot“ unbeachtet auf der Seite. Allerdings mühe ich mich beim Schreiben mehr schlecht als recht ab. Ist erst ein Anfang gemacht, können Folgeworte ungehindert fließen. Sinngemäß ist aller Anfang schwer, zu Ende gebracht ist aber bis dahin noch nichts. Etwas zu Ende zu bringen ist die Aufgabe. Mit Esprit und vor Charme sprühend, nahm ich damals an der Kochgruppe um Herrn Beck und Frau Etzel teil. Ich machte halt gute Miene zu bösem Spiel, und mit Frau Etzel Zeit zu verbringen, rief eben Glücksgefühle hervor. Dem gegenüber erscheinen im Club 55 die ersten schlechten Untertöne. Selbstgefällig sei ich, was noch niemand anderes mir ins Gesicht gesagt hatte. Die Kritik nehme ich als Chance wahr, als Chance mich zu ändern, mich zu bessern. Selbstgefälligkeit hängt zusammen mit sich ernst nehmen. Etwas auf mich einbilden tue ich nicht. Auch Arroganz und Eitelkeit, ebenso Überheblichkeit spielen da mit hinein. Ich suchte nach einem Attribut, wie ich mich selbst beschreiben würde. Es wäre „selbstgenügsam“ gewesen.

Erst abends, als ich, bei innerer Einkehr ins Nachdenken kam, wurde mir die Situation klar. Beim Sprechen suchte ich ein Attribut für meine Person, „selbstgenügsam“, kam aber nicht gleich darauf, und tatsächlich, mein Gegenüber warf mir „selbstgefällig“ zu. Erst am Abend merkte ich, dass „Selbstgefälligkeit“ eine negative Eigenschaft ist, die mir da attestiert wurde.

Wie stelle ich es an, damit sich meine Gedanken nicht wieder nur um mich, sondern nicht um mich drehen. Den egoistischen Zweck der Selbstverwirklichung stelle ich hinter die Mauer, weit ins Niemandsland, ins Abseits, bis andere Menschen so nett sind, mich zu unterstützen. Bis dahin suche ich Themen, die mich interessieren, und lese im Web so mancherlei Nützliches und Unnützes. Ich hoffe, das kann mein Leben ausfüllen.